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Weniger Herzinfarkte in Sachsen-Anhalt / Positiver Trend zeigt Rückgang um 27 Prozent
In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Herzinfarkte deutlich gesunken. Das zeigen aktuelle Zahlen für den Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Von 2017 bis 2024 ging die Zahl der Fälle um rund 27 Prozent zurück. Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck, beides Risikofaktoren für Herzinfarkte, sind allerdings weiterhin auf einem hohen Niveau.
Magdeburg – Nach den aktuellen Ergebnissen des Gesundheitsatlas wurden in den Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt im Jahr 2024 rund 5.400 Herzinfarktfälle dokumentiert. Dies entspricht einer Rate von 340 Fällen je 100.000 Personen ab dem 30. Lebensjahr. Im Jahr 2017 waren es noch 7.400 Fälle – eine Rate von 440 Fällen je 100.000 Personen.
Somit hat sich in Sachsen-Anhalt die Zahl der Herzinfarktfälle von 2017 bis 2024 um etwa 27 Prozent reduziert. Im bundesweiten Vergleich liegt Sachsen-Anhalt damit bei der Herzinfarktrate auf Rang sechs nach Thüringen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Brandenburg. Im „fairen“ Vergleich, der die unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsstrukturen berücksichtigt, liegt Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich bei der Herzinfarktrate sogar nur auf Rang 11.
Die AOK sieht mehrere Gründe für diese Entwicklung. „Der positive Trend dürfte vor allem auf bessere Prävention, veränderte Lebensgewohnheiten und Fortschritte in der medizinischen Versorgung zurückzuführen sein“, sagt Tanja Napiontek, Beratungsärztin bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Früherkennung durch Vorsorgeuntersuchungen, wie dem Check-Up Plus im AOK-Hausarztprogramm, eine konsequentere Behandlung von Risikofaktoren sowie eine verbesserte Nachsorge spielen hierbei eine zentrale Rolle. Landesweite Kampagnen wie die Herzwoche in Sachsen-Anhalt, welche die AOK jedes Jahr unterstützt, stärken zusätzlich das Bewusstsein für Herzgesundheit.“
Risikoerkrankungen weiterhin auf hohem Niveau
Gleichzeitig ist die Zahl der Erkrankungen, die als wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkte gelten, in Sachsen-Anhalt weiterhin hoch. 2024 litten mehr als 39 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren in Sachsen-Anhalt an Bluthochdruck. Im bundesweiten Vergleich ist dies der zweithöchste Wert nach Thüringen. An Diabetes mellitus Typ 2 litten fast 16 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren. Das ist der höchste Wert im bundesweiten Vergleich.
Die Zahlen bekräftigen, dass Sachsen-Anhalt grundsätzlich beim Thema Gesundheit bundesweit immer noch Nachholbedarf hat. Und das liegt nicht ausschließlich an der Demografie. Denn der Gesundheitsatlas bietet auch einen „fairen“ Vergleich, der die unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsstrukturen berücksichtigt. Auch bei diesem „fairen“ Vergleich ist Sachsen-Anhalt bei Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 2 Spitzenreiter.
Napiontek: „Wir müssen vor allem die Risikofaktoren angehen. Vieles davon hat nicht nur etwas mit dem Alter zu tun, sondern auch mit mangelnder Aufklärung, falscher Ernährung, Übergewicht oder fehlender Bewegung.“ Es brauche deshalb laut AOK weiterhin gemeinsame Anstrengungen für mehr Prävention und Aufklärung.
Im Vergleich der Landkreise hatte die höchste Herzinfarktrate 2024 der Altmarkreis Salzwedel mit 460 Erkrankungsfällen je 100.000 Einwohner. (siehe Abbildung und Tabelle) Über dem Landesdurchschnitt liegen weitere fünf Landkreise: Salzlandkreis (420 Fälle), Jerichower Land (380 Fälle), Stendal (360 Fälle) sowie der Burgenlandkreis und Dessau-Roßlau (beide 350 Fälle). Die niedrigsten Raten haben der Harz (290 Fälle) und Magdeburg (280 Fälle).
Männer häufiger betroffen, Herzinfarkte bei Frauen mit anderen Warnsignalen
Der Gesundheitsatlas schlüsselt die Daten zur Herzinfarkthäufigkeit auch nach Alter und Geschlecht auf. Die Auswertungen zeigen einen deutlichen Geschlechterunterschied: So lag die Herzinfarktrate unter den Männern bei 460 Fällen je 100.000 Männern, bei den Frauen bei 230 Fällen je 100.000 Frauen.
„Für diese Unterschiede sind überwiegend Lebensstilfaktoren oder biologische Faktoren verantwortlich. Frauen und Männer haben unterschiedliche Risikoprofile“, so Napiontek. „Hinzu kommt, dass sich Herzinfarkte bei Frauen oft durch andere Symptome äußern. Dazu zählen vor allem Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen sowie extreme Müdigkeit. Diese Symptome werden leicht mit Magen-Darm-Beschwerden, Stress oder Erschöpfung verwechselt. Dies führt oft dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen nicht rechtzeitig erkannt wird.“
Die AOK Sachsen-Anhalt fördert deshalb auch Studien, die sich mit den Unterschieden von Frauen und Männern in der medizinischen Versorgung beschäftigen. Napiontek: „Bis heute sind Frauen in wissenschaftlichen Studien unterrepräsentiert. Das zeigt, wie dringend wir Forschung, Diagnose und Therapie verbessern müssen – damit Frauen medizinisch gesehen werden, wie sie wirklich sind.“
Für Menschen mit Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 bietet die AOK Online-Coaches an. Sie sollen dabei unterstützen, mit den Erkrankungen umzugehen und geben Tipps für Verhaltensänderungen. Alle Informationen zu den Online-Coaches der AOK unter www.deine-gesundheitswelt.de/aok-online-coach
Aktuelle Daten für das Jahr 2024 zu 26 verschiedenen Erkrankungen
Die Website www.gesundheitsatlas-deutschland.de stellt Zahlen zu insgesamt 26 Erkrankungen dar, die jetzt aktualisiert und um das Datenjahr 2024 ergänzt worden sind. Die epidemiologischen Kennzahlen wurden ausgehend von den Krankenkassen-Routinedaten der mehr als 27 Millionen AOK-Versicherten mit einem alters-, geschlechts- und morbiditätsadjustierenden Verfahren auf die gesamte Wohnbevölkerung in den Regionen Deutschlands hochgerechnet. Die Referenzzahlen für die zugrunde liegende Bevölkerung basieren auf dem aktuellen Zensus 2022 und den entsprechenden Bevölkerungsberechnungen des Statistischen Bundesamtes.