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Rund die Hälfte aller Schwerverletzten in Deutschland verunglückt im Straßenverkehr
Rund die Hälfte aller Schwerverletzten in Deutschland verunglückt im Straßenverkehr. Besonders betroffen sind Kopf, Brustkorb und Extremitäten. Während Verletzungen von Kopf und Brustkorb häufig akut lebensbedrohlich sind, können schwere Schädigungen an Armen und Beinen die Behandlung erschweren und die Mobilität sowie Lebensqualität der Betroffenen langfristig beeinträchtigen.
Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) anlässlich des Tags der Verkehrssicherheit hin und unterstützt die Forderung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) nach mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen. Eine Infobox beschreibt zudem, was jeder Verkehrsteilnehmer auch selbst für mehr Sicherheit tun kann. „Wir versorgen täglich schwerstverletzte Patientinnen und Patienten nach Verkehrsunfällen und entwickeln die Unfallversorgung kontinuierlich weiter. Trotz aller Fortschritte in der Medizin bleibt entscheidend, dass schwere Unfälle gar nicht erst passieren“, sagt Prof. Dr. Hildebrand, DGOU-Präsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).
Aus Sicht der DGOU braucht es Maßnahmen auf zwei Ebenen. Zum einen kann jeder Einzelne dazu beitragen, sich besser zu schützen, etwa durch das Tragen von Helmen beim Radfahren und E-Scooter-Fahrten, geeigneter Schutzkleidung auf dem Motorrad oder durch die konsequente Nutzung von Sicherheitsgurten im Auto. Zum anderen ist entscheidend, dass die Rahmenbedingungen stimmen: Sichere Rad- und Fußwege, angepasste Geschwindigkeiten, klare Verkehrsführung und moderne Fahrzeugsicherheitssysteme tragen wesentlich dazu bei, die Kräfte bei einem Unfall zu reduzieren und schwere Verletzungen zu vermeiden. „Moderne Fahrerassistenzsysteme können dabei zusätzlich Leben retten. Dazu zählen etwa Systeme zur Erkennung von Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Radfahrern, die warnen oder automatisch bremsen, auch bei schlechten Sichtverhältnissen. Ebenso wichtig ist das eCall-System in PKWs, das im Falle eines Unfalls automatisch einen Notruf auslöst und so die Rettungskette beschleunigt, etwa wenn Fahrzeuginsassen nicht mehr ansprechbar sind“, sagt Privatdozent Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention.
Daten aus dem TraumaRegister DGU® zeigen: Je nach Verkehrsteilnahme unterscheiden sich die Verletzungsmuster deutlich. Radfahrende erleiden bei schweren Unfällen besonders häufig Kopfverletzungen, Motorradfahrende vor allem Verletzungen an Brustkorb, Armen und Becken. Autoinsassen sind besser geschützt, dennoch bleibt der Brustkorb stark belastet. Besonders gefährdet sind ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Radfahrer, E-Scooter-Nutzer und Fußgängerinnen und Fußgänger. Sie erleiden überdurchschnittlich häufig Mehrfachverletzungen.
„Kopf- und Brustverletzungen sind deshalb so kritisch, weil hier lebenswichtige Organe betroffen sind, etwa Gehirn, Herz und Lunge. Schwere Verletzungen in diesen Bereichen führen besonders häufig zu lebensbedrohlichen Zuständen“, sagt Spering. Aber auch schwere Verletzungen der Extremitäten spielen bei Verkehrsunfällen eine wichtige Rolle: In Kombination mit weiteren Verletzungen können sie lebensbedrohlich sein und den Verlauf der Behandlung maßgeblich beeinflussen. „Zugleich geht es nicht nur ums Überleben, sondern auch um die langfristigen Folgen: Viele Betroffene leiden dauerhaft unter Einschränkungen im Alltag sowie in ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist oft erheblich beeinträchtigt“, sagt Spering. Er leitet den Vorstandsausschuss Verkehrsmedizin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Er sagt weiter: „Mehr als jeder sechste Verkehrsunfalltote gehört zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Das zeigt, wie dringend die Verkehrsinfrastruktur angepasst werden muss: Kreuzungspunkte unterschiedlicher Verkehrsteilnehmender müssen reduziert, übersichtlicher gestaltet und vor allem so konstruiert werden, dass Fehler der Verkehrsteilnehmenden nicht unmittelbar zu einem Unfall führen. Andere Länder wie Schweden oder die Niederlande machen uns das bereits vor, wie wirksam solche Ansätze sein können.“
Das TraumaRegister DGU® erfasst jährlich rund 25.000 schwer verletzte Unfallopfer, die in Kliniken versorgt werden, darunter nicht nur Verkehrsunfälle, sondern beispielsweise auch schwere Stürze. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen, die lebend die Kliniken erreichen. Die amtliche Straßenverkehrsunfallstatistik kommt hingegen auf über 350.000 Verletzte pro Jahr, da sie auch leichte Verletzungen abbildet. Zusätzlich werden hier die Verkehrsunfalltoten aufgeführt, die sowohl noch an der Unfallstelle versterben oder innerhalb der ersten 30 Tage in einer behandelnden Klinik nach dem Unfall.
Was jeder Verkehrsteilnehmer sofort für mehr Sicherheit tun kann
Kopf und Brustkorb schützen
• Beim Radfahren und auf dem E-Scooter immer einen gut sitzenden Helm tragen
• Auf dem Motorrad Schutzkleidung mit Protektoren nutzen
• Im Auto den Sicherheitsgurt konsequent anlegen – auch auf kurzen Strecken und auf der Rückbank
Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit erhöhen
• Helle oder reflektierende Kleidung tragen, besonders bei Dunkelheit und schlechtem Wetter
• Ablenkungen vermeiden: kein Smartphone am Steuer, Lenker oder beim Überqueren der Straße
• Ausreichend Abstand halten und defensiv fahren
Geschwindigkeit anpassen und Risiken vermeiden
• Geschwindigkeit an Wetter, Verkehr und Sichtverhältnisse anpassen
• Kreuzungen, abbiegende Fahrzeuge und tote Winkel besonders aufmerksam beobachten
• Niemals unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss fahren
Referenzen:
1) Grafik Verletzungsmuster
dgou.de/fileadmin/dgu-online/Dokumente/9._Presse/TraumaRegister_DGU_Grafik_Verletzungsmuster.pdf