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Vorübergehender Sehverlust kann Warnsignal für Herz und Gefäße sein
Stiftung Auge erläutert, warum rasches Handeln wichtig ist
München – Wenn das Sehen plötzlich nachlässt und sich nach kurzer Zeit wieder normalisiert, nehmen viele Betroffene das Ereignis nicht ernst. Gerade weil die Beschwerden schmerzlos sind und wieder verschwinden, wird ein vorübergehender Sehverlust häufig bagatellisiert. Dabei kann die zugrundeliegende Durchblutungsstörung der Netzhaut oder des Sehnervs ein wichtiges Warnsignal für das Herz-Kreislauf-System sein. Auf der heutigen Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge erklärten Experten, warum Betroffene solche Symptome Anlass für eine Abklärung sein sollen.
Ein vorübergehender Sehverlust tritt meist plötzlich auf. Betroffene berichten, dass ein Auge für einige Minuten deutlich schlechter sieht, sich ein Schatten über das Gesichtsfeld legt oder die Sicht wie durch einen Schleier oder Vorhang eingeschränkt ist. In vielen Fällen verschwinden die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder. Genau das macht die Situation tückisch: Das Symptom wirkt harmlos, kann aber auf erhebliche Herz-Kreislauf-Risiken hinweisen. „Ein schmerzloser, plötzlich auftretender Sehverlust ist kein zu bagatellisierendes Symptom“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Auch wenn sich das Sehen rasch wieder normalisiert, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt.“
90 Tage als besonders kritisches Zeitfenster
Die Netzhaut und der Sehnerv sind auf eine zuverlässige Blutversorgung angewiesen. Wird diese kurzfristig unterbrochen oder vermindert, kann es zu einem vorübergehenden Sehverlust kommen. Medizinisch wird dies als transienter Sehverlust bezeichnet.
Neuere große Auswertungen internationaler Patientendaten weisen darauf hin, dass nach einem solchen Ereignis das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Komplikationen erheblich erhöht ist. Das können Herzinfarkte und insbesondere Schlaganfälle sein. Besonders die ersten 90 Tage nach dem Symptom scheinen ein wichtiges Zeitfenster zu sein, in dem Diagnostik und vorbeugende Behandlung entscheidend sein können. „Eine dringliche Intervention ist in dieser Zeit am bedeutsamsten“, betont Holz. „Veränderungen der Durchblutung am Auge können Hinweise auf Risiken geben, die Gehirn, Herz und Gefäße betreffen.“
Frühe Abklärung kann Risiken senken
Für Betroffene ist entscheidend, das Symptom richtig einzuordnen. Ein vorübergehender Sehverlust sollte nicht als kurzzeitige Übermüdung, Kreislaufschwäche oder Augenstress abgetan werden. Das gilt besonders, wenn die Sehstörung plötzlich auftritt.
Internationale Fachgesellschaften stufen Durchblutungsstörungen der Netzhaut als ernstzunehmende Warnereignisse ein. Die Stiftung Auge sensibilisiert deshalb dafür, vorübergehende Sehstörungen klar zu benennen, ernst zu nehmen und sofort ärztlich abklären zu lassen. Ziel ist es, mögliche Ursachen zu finden und behandelbare Risiken zu senken. Betroffene sollten sich merken, wann die Beschwerden begonnen haben, wie lange sie angehalten haben, ob ein oder beide Augen betroffen waren und ob weitere Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen auffällig waren. Diese Angaben können Ärztinnen und Ärzten helfen, die weitere augenärztliche, neurologische oder internistische Abklärung einzuleiten.
„Vorübergehender Sehverlust ist ein Warnsignal, das eine Chance zur Vorbeugung bieten kann“, sagt Holz. „Wer rasch reagiert, ermöglicht eine gezielte Diagnostik und gegebenenfalls eine Behandlung, bevor schwerwiegendere Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle auftreten.“
Literatur:
Cardiovascular risk following transient vision loss. Miller T, Xie JS, Rahat Qureshi A, Tao BK, Margolin E.Br J Ophthalmol. 2026 May 20;110(6):714-720. doi: 10.1136/bjo-2025-328605.
Stroke Risk after Ischemic Ocular Events: Insights from an Electronic Health Record Database. Vought V, Vought R, Yu Z, Zeng Z, Pei A, Wang H, Lu Y, Iyer PG.Ophthalmol Retina. 2026 Mar 20:S2468-6530(26)00111-9. doi: 10.1016/j.oret.2026.03.013. Online ahead of print.PMID: 41865837
Mitschnitt zur Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)
Termin: 1. Juli 2026, 12.00 bis 13.00 Uhr
Link zur Aufzeichnung der Pressekonferenz: https://attendee.gotowebinar.com/recording/4169879613065225813
Themen und Referenten
Ab Minute 03:00
Vorübergehender Sehverlust: Was die Augengesundheit über das Herz-Kreislauf-System verrät
Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge, Direktor der
Universitäts-Augenklinik Bonn
Ab Minute 17:30
Kontaktlinsen im Sommer: Wenn Wasser, Sand und Sonne zur Gefahr für die Hornhaut werden
Professor Dr. med. Gerd Geerling, Pressesprecher der Stiftung Auge, Direktor der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf
Ab Minute 33:20
Kosmetik-Trend mit Nebenwirkungen: Warum Experten vor Wimpernseren warnen
Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Vice-President European Glaucoma Society (EGS)
Ab Minute 47:20
Sehprobleme bei Kindern früh erkennen: Wann Eltern handeln sollten und wie sie Hilfe finden
Dr. med. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge, Facharzt für Augenheilkunde, Schlüsselfeld
Moderation: Sabrina Hartmann, Pressestelle Stiftung Auge
2008 von der DOG gegründet, setzt sich die Stiftung Auge dafür ein, vermeidbare Erblindungen und schwere Seheinschränkungen zu bekämpfen. Informationen zu den Projekten der Stiftung Auge sind unter www.stiftung-auge.de nachzulesen.