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Vom Labor zum Patienten: 4 klinische Studien zu Typ-1-Diabetes

New Research, Findings Diabetes, IDF

Forschung entfaltet ihren Wert insbesondere dort, wo sie bei den Menschen ankommt – wenn aus Erkenntnissen neue Behandlungsmöglichkeiten werden, von denen Betroffene profitieren. Wie das beim Typ-1-Diabetes konkret gelingen kann, zeigt das Institut für Diabetesforschung von Helmholtz Munich mit seiner Beteiligung an vier klinischen Studien am Studienzentrum von TUM Klinikum und Helmholtz Munich, die den Verlust der insulinproduzierenden Betazellen verlangsamen sollen.

Welche Intervention greift bei welchem Krankheitsstadium?

Die Studien setzen an unterschiedlichen Krankheitsstadien der Autoimmunerkrankung an – vom hohen Erkrankungsrisiko bis zur frisch gestellten Diagnose – und verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Verlust der insulinproduzierenden Betazellen zu verlangsamen.

Damit bringen sie Erkenntnisse aus der Diabetesforschung direkt in die klinische Anwendung am Menschen. Dass dieser Weg von der Forschung bis zur zugelassenen Therapie führen kann, zeigt der Wirkstoff Teplizumab, der seit Januar 2026 in Deutschland zugelassen ist.

Der Hintergrund für alle vier Studien ist derselbe: Große Studien haben gezeigt, dass Schutz und Erhalt der β-Zellfunktion eines der wichtigsten immunmodulierenden therapeutischen Ziele beim Typ-1-Diabetes sind.

Die klinischen Studien übersetzen diese Erkenntnis in konkrete Behandlungsansätze – und prüfen für unterschiedliche Krankheitsstadien, welche Intervention zum jeweils richtigen Zeitpunkt greifen kann.

Baricitinib – Schutz für die Betazellen

DELAY und BARICADE PRESERVE prüfen den Wirkstoff Baricitinib, einen Januskinase-(JAK)-Inhibitor, der bereits bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. In einer früheren Studie zeigte sich, dass Baricitinib nach der Manifestation des Typ-1-Diabetes die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen länger erhalten kann. Diese Befunde werden nun in zwei klinischen Studien der Phase 3 weiter in Richtung Anwendung geführt.
Die beiden Studien untersuchen, ob sich der Ausbruch oder das Fortschreiten von Typ-1-Diabetes mit Baricitinib bremsen lässt:

  • BARICADE DELAY prüft bei Personen mit hohem Typ-1-Diabetes-Risiko (Stadium 1b oder Stadium 2), ob Baricitinib den Beginn des klinischen Typ-1-Diabetes verzögern oder verhindern kann. Es handelt sich um eine klinische Studie der Phase 3.
  • BARICADE PRESERVE untersucht, ob Baricitinib bei Menschen mit frisch diagnostiziertem Typ-1-Diabetes die fortschreitende Zerstörung der Betazellfunktion verlangsamen kann. Auch diese Studie befindet sich in Phase 3.

Weitere immunmodulierende Ansätze in der klinischen Prüfung

Im Rahmen des INNODIA-Netzwerks ist das Studienzentrum außerdem an zwei neuen immunmodulierenden Studien, der SAFEGUARD- und der βETA PRESERVE-Studie, beteiligt. Beide prüfen unterschiedliche Wirkstoffe mit dem Ziel, die Betazellfunktion nach der Diagnose eines Typ-1-Diabetes möglichst lange zu erhalten und so eine günstigere Therapie zu ermöglichen – auch hier steht der Transfer vielversprechender Ansätze in die klinische Anwendung im Mittelpunkt.

  • SAFDieEGUARD-Studie untersucht, ob das Medikament SAB 142 den Verlust der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse verlangsamen kann. Diese Studie befindet sich in der Phase 2b.
  • Die βETA PRESERVE-Studie prüft, ob der Wirkstoff Teplizumab zu einer besseren glykämischen Kontrolle führt und ob Menschen mit Typ-1-Diabetes dadurch weniger Insulin benötigen. Teplizumab ist seit Januar 2026 zugelassen und kann dazu beitragen, die körpereigene Insulinproduktion länger zu erhalten. Die Studie ist eine klinische Phase-3-Studie.

Wer kann an den Studien teilnehmen?

Familien und andere interessierte Personen finden detaillierte Informationen zu Ein- und Ausschlusskriterien auf den jeweiligen Studien-Webseiten. Einige zentrale Eckpunkte:

  • BARICADE DELAY: Personen von 2–35 Jahren mit hohem Risiko für Typ-1-Diabetes
  • BARICADE PRESERVE: Personen von 2–35 Jahren mit Typ-1-Diabetes-Diagnose innerhalb der letzten 3 Monate
  • βETA PRESERVE: Personen von 1–25 Jahren mit Typ-1-Diabetes-Diagnose innerhalb der letzten 2 Monate
  • SAFEGUARD: Personen von 12–40 Jahren mit Typ-1-Diabetes-Diagnose innerhalb der letzten 100 Tage

Weitere klinische Studien zu Typ-1-Diabetes finden Sie auf diabinfo.de.

Die Studien BARICADE DELAY und BARICADE PRESERVE werden von Eli Lilly and Company durchgeführt, die βETA PRESERVE-Studie von Sanofi und die SAFEGUARD-Studie von SAB Biotherapeutics.

Klinische Studien: Der Weg von der Forschung zur Therapie

Wie Helmholtz Munich Forschungsergebnisse gemeinsam mit Kliniken gezielt in neue Therapien übersetzt, lesen Sie hier: Translation: Wo medizinische Forschung den Menschen erreicht