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Zwei aktuelle RCTs bestätigen Wirksamkeit eines Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitors bei schubförmiger MS

Zwei randomisierte Phase-3-Studien, die heute in „The Lancet“ publiziert wurden [1], verglichen Wirksamkeit und Sicherheit von Remibrutinib der moderat wirksamen DMT mit Teriflunomid bei schubförmiger MS. Der hochselektive BT-Inhibitor reduzierte signifikant annualisierte Schubrate, Behinderungsprogression und entzündliche Läsionen im Gehirn. Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet. Der Wirkstoff könnte somit das Therapiespektrum erweitern – ausstehend ist jedoch ein direkter Vergleich mit bereits zugelassenen hochaktiven DMTs, wie z. B. Anti-CD20-Antikörpern.

BTK-Inhibitoren (Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren/BTI) gehören zu den interessanten neuen Therapieansätzen bei Multipler Sklerose (MS). Ihr besonderes Potenzial liegt darin, nicht nur die periphere Immunaktivität, sondern möglicherweise auch Entzündungsprozesse innerhalb des zentralen Nervensystems zu beeinflussen. Sie greifen die Signalübertragung in B-Zellen sowie in myeloiden Zellen, darunter Mikroglia, ein und stellen damit einen relativ neuen Therapieansatz dar.

Aufgrund ihrer Wirkung auf chronische Entzündungsprozesse wurden sie bisher zunächst bei sekundär progredienter MS (SPMS) geprüft, für die noch immer wenig Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Im Juni dieses Jahres hat die EMA einen BTI für diese Patientengruppe zugelassen [2]. Offen war bislang, ob die neue Wirkstoffgruppe auch bei schubförmiger MS, die immerhin 85 % aller MS-Diagnosen ausmacht, gegenüber etablierten Vergleichstherapien einen klinischen Vorteil bringt. Diese Frage untersuchten nun zwei parallele randomisierte Phase-3-Studien.

In den aktuellen Studien [1] wurde Remibrutinib, ein hochselektiver, potenter, kovalent bindender, ZNS-gängiger, oral einzunehmender BT-Inhibitor, mit Teriflunomid, einer etablierten oralen Basistherapie der schubförmigen MS verglichen. Dieser Wirkstoff gehört zu den moderat wirksamen krankheitsmodifizierenden Therapien („Disease-Modifying Therapies“, DMTs). Die Studie REMODEL-1 schloss 1.000 Patientinnen und Patienten ein, die REMODEL-2-Studie 1.007. Die Teilnehmenden wurden 1:1 randomisiert und erhielten entweder zweimal täglich 100 mg Remibrutinib oder einmal täglich 14 mg Teriflunomid mithilfe eines elektronischen Randomisierungssystems. Der primäre Endpunkt war die annualisierte Schubrate (ARR). Zu den sekundären Endpunkten zählten die Behinderungsprogression, MRT-Befunde und Sicherheitsparameter.

Es zeigte sich eine signifikante Beeinflussung aller Endpunkte. Die ARR sank um 35,2 % (Rate Ratio [RR] 0,648 [95% CI 0,453–0,927]; p=0,018) in REMODEL-1 und um 31,2 % (RR 0,688 [95% CI 0,487–0,972]; p=0·034) in REMODEL-2. Auch konnte der BTI gegenüber der Vergleichstherapie das Fortschreiten der Behinderung signifikant verlangsamen sowie entzündliche Läsionen im Gehirn und Neurofilament-Leichtketten im Serum (sNfL), einen Biomarker, der mit neuronalen Schädigungen assoziiert ist, reduzieren. Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet.

„Die Daten zeigen, dass Remibrutinib eine effektive Therapie bei schubförmiger MS ist. Da trotz zahlreicher Behandlungsoptionen auch heute noch bei einigen Betroffenen die zur Verfügung stehenden DMT die Krankheitsprogression nicht immer adäquat aufhalten können, stellt dieser BTI aus meiner Sicht eine sinnvolle Ergänzung des Therapie-Armamentariums dar“, erklärt Prof. Dr. Heinz Wiendl, Freiburg, Erstautor der aktuellen Publikation. Er und seine Ko-Autoren kommen zu dem Schluss, dass es sich um eine potenziell hocheffektive, orale Therapieoption handele.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) begrüßt die Erweiterung des medikamentösen Spektrums, gibt aber zu bedenken, dass Remibrutinib in diesen beiden Studien gegen eine DMT der Kategorie „moderat wirksam“ [3] getestet wurde. „Es bleibt zu prüfen, ob der Wirkstoff ebenso effektiv wie hochwirksame DMTs ist“, erklärt Prof. Dr. Luisa Klotz, Münster, MS-Expertin und Mitglied der DGN-Kommission Neuroimmunologie.  „Wenn das der Fall ist, wäre Remibrutinib für den klinischen Einsatz besonders interessant, da er in diesen Studien eine mit Teriflunomid vergleichbar niedrige Nebenwirkungsrate aufwies. Einige der bisher zugelassenen hochwirksamen MS-Therapien haben im Vergleich dazu ein deutlich höheres Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen.“

[1] Wiendl H, Bermel R, Airas L et al., on behalf of the REMODEL Investigators. Remibrutinib versus teriflunomide in relapsing multiple sclerosis: results from the randomised, phase 3 REMODEL-1 and REMODEL-2 trials. The Lancet 2026. Published Online October  23, 2026 https://doi.org/10.1016/ S0140-6736(26)02058-1
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)02058-1/fulltext

[2] https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/cenrifki

[3] Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-opticaSpektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgGassoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 20.10.2026)