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132. Internistenkongress: Humangentik als Schlüssel bei seltenen und häufigen Erkrankungen
Wiesbaden – Ein Lungenkarzinom galt lange als eine einzige Erkrankung. Heute wissen Medizinerinnen und Mediziner: Hinter der Diagnose verbergen sich zahlreiche genetisch unterschiedliche Tumorformen, die jeweils gezielt behandelt werden können. Und auch Erkenntnisse aus seltenen genetischen Erkrankungen verändern zunehmend die Therapie häufiger Volkskrankheiten. So haben Forschungen zur seltenen Schilddrüsenhormonresistenz den Weg zu neuen Medikamenten gegen die Fettlebererkrankung MASH eröffnet. Wie genetische Erkenntnisse Diagnostik, Therapie und Weiterbildung verändern, wird auch auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) am Montag, den 20. April 2026 diskutiert.
132. Internistenkongress: Humangenetik im Fokus
Warum Internistinnen und Internisten Genetik verstehen müssen
Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der Genetik auf Behandlung und Therapie in der Onkologie. Molekulare Analysen ermöglichen heute eine immer feinere Charakterisierung von Tumoren. Ein Beispiel ist das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom: Obwohl es zu den häufigsten Krebserkrankungen gehört, zerfällt es genetisch in zahlreiche Subtypen. Viele dieser Veränderungen lassen sich inzwischen gezielt behandeln. „Je genauer wir in das Genom einer Erkrankung schauen, desto deutlicher wird ihre biologische Vielfalt“, sagt Professor Dr. med. Andreas Neubauer, Sprecher der DGIM-Task-Force Humangenetik und Leiter des Zentrums für Personalisierte Medizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Damit wird aus einer scheinbar einheitlichen Erkrankung eine Gruppe seltener, genetisch definierter Varianten – und genau darin liegt der Schlüssel für eine präzisere Therapie.“
Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die Krebsmedizin. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen werden genetische Faktoren zunehmend als entscheidend für Krankheitsverlauf und Therapieansprechen erkannt.
Was seltene Erkrankungen über Volkskrankheiten verraten
Umgekehrt liefern seltene genetische Erkrankungen wichtige Hinweise für das Verständnis häufiger Krankheiten. Ein Beispiel ist die Schilddrüsenhormonresistenz, eine seltene genetische Störung der Schilddrüsenhormonwirkung. Untersuchungen dieser Erkrankung haben gezeigt, welche zentrale Rolle der Schilddrüsenhormonrezeptor β für den Fettstoffwechsel in der Leber spielt.
Auf dieser Grundlage wurden selektive Wirkstoffe entwickelt, die gezielt diesen Rezeptor aktivieren. Ein solcher Wirkstoff – Resmetirom – wird inzwischen zur Behandlung der metabolischen Dysfunktions-assoziierten Steatohepatitis (MASH), einer schweren Form der Fettlebererkrankung, eingesetzt. „Solche Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie Erkenntnisse aus seltenen genetischen Erkrankungen neue Therapieansätze für weit verbreitete Krankheiten eröffnen können“, sagt Universitäts-Professorin Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der DGIM 2025/2026 und Präsidentin des 132. Internistenkongresses. „Die Humangenetik liefert uns gewissermaßen ein Vergrößerungsglas für biologische Mechanismen.“
Genetik verändert das gesamte Fach
Beim 132. Internistenkongress diskutieren Expertinnen und Experten aus Innerer Medizin und Humangenetik in einer gemeinsamen Sitzung, wie genetische Erkenntnisse systematisch in Diagnostik, Therapie und Weiterbildung integriert werden können. Die DGIM arbeitet hierfür eng mit der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik e. V. (GfH) zusammen. „Genetik ist kein Spezialthema einzelner Zentren mehr“, betont Neubauer. „Sie betrifft die gesamte Innere Medizin – in Klinik und Praxis. Internistinnen und Internisten müssen genetische Befunde verstehen und ihre klinische Bedeutung einordnen können.“
Task Force entwickelt Curriculum
Um diese Kompetenzen strukturell zu stärken, hat die DGIM eine Task Force Humangenetik eingerichtet. Sie arbeitet an einem praxisnahen Curriculum, das genetische Grundlagen systematisch in die internistische Weiterbildung integrieren soll – auch in digitalen Formaten und mit niedrigschwelligem Zugang. „Wenn wir von einem Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin sprechen, gehört die Integration genetischer Erkenntnisse zwingend dazu“, betont Führer-Sakel. „Präzisionsmedizin bedeutet, Erkrankungen immer besser in ihren biologischen Ursachen zu verstehen – und genau daraus neue, gezielte Therapien zu entwickeln.“
Der 132. Internistenkongress steht unter dem Motto „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten“. Die Humangenetik gilt dabei als ein zentrales Beispiel für diesen Wandel – von der molekularen Forschung bis zur klinischen Versorgung.
Quelle:
Möller, L., Schörding, AK., Kaiser, F. et al. Neue Wege der Interdisziplinarität: Innere Medizin trifft auf Humangenetik. Innere Medizin 67, 383–389 (2026). https://doi.org/10.1007/s00108-026-02078-5
Terminhinweise:
Prävention statt Reparatur
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM
Termin: Donnerstag, 9. April 2026, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: online
Anmeldung zur Online-Teilnahme unter: https://events.teams.microsoft.com/event/067fb611-351b-4bf3-85bd-dd343c83f93d@1495922a-4378-45e9-a32a-422448450fb1
Die Zukunft der Medizin ist grenzenlos
Eröffnungs-Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM
Termin: Samstag, 18. April 2026, 12.00 bis 13.00 Uhr
Vor Ort: Pressekonferenzraum, 2. OG, RMCC Wiesbaden
Anmeldung zur Online-Teilnahme unter: https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_2D4bRAJwRqSlxoyQaYmbyQ
Ohne Wissenschaft keine Zukunft
Montags-Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM
Termin: Montag, 20. April 2026, 12.00 bis 13.00 Uhr
Vor Ort: Pressekonferenzraum, 2. OG, RMCC Wiesbaden
Anmeldung zur Online-Teilnahme unter: https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_FK3IT9Z-SWyd1ypYPZiBPw
Alle Programme finden Sie im Pressebereich des Kongresses: Presse – 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
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Ohne Wissenschaft keine Zukunft
Montags-Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM
Termin: Montag, 20. April 2026, 12.00 bis 13.00 Uhr
Vor Ort: Pressekonferenzraum, 2. OG, RMCC Wiesbaden
Anmeldung zur Online-Teilnahme unter: https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_FK3IT9Z-SWyd1ypYPZiBPw
Vorläufige Themen und Referierende:
Genau hingeschaut: Auch Häufiges ist selten – was uns die moderne Medizin über Volkskrankheiten lehrt
Univ.-Professorin Dr. med. Dagmar Führer-Sakel
Vorsitzende der DGIM 2025/2026 und Präsidentin des 132. Internistenkongresses, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen
Schnittstelle Humangenetik: Wie können wir die Erkenntnisse besser für die Innere Medizin nutzen?
Univ.-Professor Dr. med. Andreas Neubauer
Sprecher der DGIM Task Force Humangenetik, Leitung des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKMG)
Ausgezeichnete Forschung – bei der Pressekonferenz stellen die frisch gekürten Preisträger*innen ihre prämierten Arbeiten vor
Preisträger*in Theodor-Frerichs-Preis und Präventionspreis (Auszeichnung erfolgt bei der Kongresseröffnung)
Entzündung im Zentrum: wie Ernährung, Anämie und Mikronährstoffe Alterung, Alterskrankheiten und Gebrechlichkeit beeinflussen
Professorin Dr. med. Ursula Müller-Werdan
2. stellv. Vorsitzende der DGIM, Klinikdirektorin der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin und EGZB, Leiterin Forschungsgruppe Geriatrie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Präsidentin des 133. Internistenkongresses
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