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Planetary Health: Gesunder Planet, gesunde Menschen

Gesundheitsfachpersonen soll nicht nur die Herausforderungen der Klimakrise kennen, sondern sich auch aktiv für einen Wandel einsetzen – zum Wohle der Gesundheit. Dieses Ziel verfolgt das Projekt PHUSE unter der Leitung der Universität Basel.

Die Klimakrise ist die grösste Bedrohung für unsere Gesundheit. Darin sind sich internationale Expertinnen und Experten der Weltgesundheitsorganisation einig. Die Diagnose der Ärztin Bea Albermann ist deshalb eindeutig: «Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns.»

Das nationale Netzwerk PHUSE will deshalb Kompetenzen zu den planetaren Krisen – Globale Erwärmung, Umweltverschmutzung, Verlust der Artenvielfalt – in die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonen integrieren. PHUSE steht für «Planetary Health for Universities’ Sustainability Engagement» und entstand 2025 aus einer Zusammenarbeit von sechs Schweizer Bildungsinstitutionen. Es wird von der Universität Basel aus geleitet, wo Bea Albermann in der Medizinischen Fakultät als Projektmanagerin arbeitet.

Sie fasst das Prinzip von Planetary Health so zusammen: «Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten.» Dabei ist Planetary Health zugleich Forschungsfeld und soziale Bewegung. «Wenn wir uns um unsere Gesundheit sorgen, müssen wir auch dafür sorgen, wie es den anderen Tieren, den Pflanzen, den Böden, dem Ozean geht. Sie sind unsere einzige Lebensgrundlage», sagt Albermann. Was für gewisse indigene Gemeinschaften selbstverständlich ist, sei in der eurozentristischen Medizin lange vernachlässigt worden. PHUSE will das ändern.

Steigende Temperaturen und zunehmende Verschmutzung wirken sich vielfältig auf die Gesundheit aus: Feinstaub und Stickoxide durch fossile Energieträger verschlimmern Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronische Lungenerkrankungen (COPD) und erhöhen das Risiko für Lungenkrebs.

Gleichzeitig fordern Hitzewellen in Europa zunehmend Menschenleben: Allein 2022 starben schätzungsweise über 60’000 Menschen an hitzebedingtem Herz-Kreislauf-Versagen. Zu den Folgen der Klimakrise gehören aber auch Mangelernährung oder erhöhte Kindersterblichkeit, wenn die Ernte von Dürren oder Überschwemmungen vernichtet wird, wobei besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen im Globalen Süden betroffen sind.

Nicht nur wissen, sondern auch handeln

Erste Studien schätzen, dass das Schweizer Gesundheitssystem für rund sieben Prozent der nationalen Emissionen verantwortlich ist und somit selbst zur Klimaerhitzung beiträgt. Das Personal, dem wir unsere Gesundheit anvertrauen, soll durch PHUSE für diese Aspekte entsprechend geschult sein.

Alle am Projekt beteiligten Bildungsinstitutionen arbeiten in eigenen Teilprojekten auf dieses Ziel hin. Das Team an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel ist verantwortlich für die Ausarbeitung eines nationalen Curriculums, das die Kompetenzen rund um Planetary Health für die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz formuliert.

Der Ansatz dabei ist transformativ: Die Studierenden in Medizin, Physiotherapie oder Pflege sollen sich nicht nur Wissen aneignen, sondern auch die Motivation und Selbstwirksamkeit, um ins Handeln zu kommen. Albermann macht ein Beispiel: «Wenn ich als Ärztin mit dem Velo statt dem Auto ins Spital fahre, reduziere ich nicht nur mein Herzinfarkt-Risiko, sondern auch meinen ökologischen Fussabdruck.» Das sei wichtig für ihre eigene Gesundheit und Umwelt – und somit auch für die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten, die vermehrt unter den Folgen der Klimakrise leiden.

«Gleichzeitig kann ich umso mehr bewegen, wenn ich mich in meiner Stadt oder Gemeinde für sichere Velowege einsetze, damit sich mehr Menschen wie Kinder oder Seniorinnen und Senioren aufs Velo trauen und sich mehr bewegen.» Es gehe nicht nur um den eigenen ökologischen Fussabdruck, sondern auch um den Handabdruck. Um das, was man zusammen bewirken kann. Das Umdenken, das Planetary Health erfordert, reicht deshalb von der individuellen bis auf die politische Ebene.

Integration in die Lehre

Dass es für den Schutz der Gesundheit heutiger und künftiger Generationen dringend einen fundamentalen Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft braucht, halten unter anderem der Weltklima- und der Weltbiodiversitätsbericht fest. «Das ist wissenschaftliche Evidenz», resümiert Albermann.

Diese Evidenz soll mit dem entwickelten Curriculum in die Schweizer Gesundheitsausbildungen einfliessen. Die Ausarbeitung erfolgte partizipativ: So fragten Albermann und ihr Team in Workshops Studierende aus Pflege, Medizin oder Gesundheitsförderung, was sie bräuchten, um sich für den Umgang mit planetaren Krisen in ihrem Beruf gewappnet zu fühlen.

Wenn das Curriculum das Konsultationsverfahren in verschiedenen Gremien durchlaufen hat, tritt es voraussichtlich noch im laufenden Jahr als zunächst unverbindliche Richtschnur in Kraft. Ergänzend sollen sogenannte «Teach-the-Teacher»-Kurse, die aktuell an der Universität Basel entwickelt werden, beim Umsetzen des Curriculums unterstützen. Ausserdem will PHUSE bis in einem Jahr E-Learning-Kurse erarbeiten, die sowohl in der Lehre als auch von interessierten Privatpersonen kostenlos genutzt werden können.

Planetary Health und PHUSE

Planetary Health untersucht, wie sich die menschliche Gesundheit und die Gesundheit der Ökosysteme gegenseitig beeinflussen und voneinander abhängen. Der Begriff wurde 2015 von einer interdisziplinären Gruppe aus Expertinnen und Experten der renommierten medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» geprägt. Sie formulierten Herausforderungen für die menschliche Gesundheit angesichts der Klimakrise und dachten dafür wissenschaftliche Fachbereiche wie Biodiversität, Medizin, Ökologie, Politik und öffentliche Gesundheit zusammen. Seither hat sich Planetary Health als Konzept, lösungsorientiertes Forschungsfeld und soziale Bewegung etabliert.

Am Projekt PHUSE sind neben der Universität Basel das Swiss TPH, die ETH Zürich, die Fachhochschule Westschweiz HES-SO und die Universitäten Genf und Lausanne beteiligt. PHUSE wird durch das Programm Stärkung einer Nachhaltigkeitskultur an Schweizer Hochschulen von swissuniversities gefördert und läuft noch bis Anfang 2027.