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Adipositas-Medikament senkt Risiko für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen deutlich
Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas können von einer Behandlung mit dem Medikament Tirzepatid profitieren. Im Vergleich zu einem klassischen Diabetes-Medikament kann Tirzepatid, das unter dem Namen Mounjaro vertrieben wird, Risiken für Herzinfarkte und Krankenhauseinweisungen infolge von Infektionen um jeweils rund ein Drittel verringern. Das haben Forschende der Technischen Universität München (TUM) und der Harvard Medical School anhand von Versichertendaten nachgewiesen.
Für ihre im Fachmagazin The BMJ veröffentlichte Studie arbeiteten die Forschenden mit einem großen Satz an Daten von US-amerikanischen Krankenversicherungen. Dabei verglichen sie Patientinnen und Patienten, die mit Tirzepatid behandelt wurden, mit solchen, die mit Sitagliptin, einem Diabetes-Medikament ohne nachgewiesene kardioprotektive Wirkung, behandelt wurden.
Dabei zeigten sich deutliche Vorteile des GLP-1-Medikaments, das in den letzten Jahren als sogenannte Abnehmspritze auch in Publikumsmedien diskutiert wurde. Während nach einem Jahr 4,4 Prozent der Personen, die mit dem Vergleichsmedikament behandelt wurden, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten oder verstorben waren, waren es in der Tirzepatid-Gruppe nur 2,9 Prozent. Das entspricht einem um rund ein Drittel verringerten relativen Risiko.
Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen deutlich verringert
Zudem mussten deutlich weniger Patientinnen und Patienten wegen Infektionen im Krankenhaus behandelt werden: Das entsprechende Risiko war um 36 Prozent reduziert. Das Risiko, infolge einer Infektion zu sterben, war sogar um 60 Prozent reduziert.
„Die Daten zu Infektionen haben uns in dieser Deutlichkeit auch überrascht“, sagt Dr. Nils Krüger, Erstautor der Studie und Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum. „Frühere Studien haben bereits Hinweise darauf geliefert, dass Menschen, die mit GLP-1-Agonisten behandelt werden, seltener wegen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen und seltener an diesen sterben.“ Die Gründe dafür seien Krüger zufolge noch nicht restlos aufgeklärt. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass Fettleibigkeit Entzündungsprozesse im Körper fördert, die wiederum die Immunabwehr einschränken. Was dabei genau im Körper geschieht und ob der positive Effekt auch ohne eine Gewichtsabnahme auftreten würde, muss jetzt untersucht werden.“
Datenbasierte Studien ergänzen klassische klinische Studien
Studien, die anhand von klinischen Routinedaten Auswirkungen von Medikamenten vergleichen, sind aus Sicht von Krüger eine wichtige Ergänzung zu klassischen klinischen Studien. Gerade bei den GLP-1-Agonisten, wie Tirzepatid oder Semaglutid (Wegovy und Ozempic), gibt es meist wenige groß angelegte Studien, die die vielfältigen Effekte dieser Medikamentenklasse untersuchen, da die Medikamente erst seit relativ kurzer Zeit auf dem Markt sind. Genau diese benötigen die medizinischen Fachgesellschaften und Zulassungsbehörden aber als Grundlage für ihre Empfehlungen.
„Dazu kommt, dass bei klinischen Studien immer häufiger zwei verwandte Wirkstoffe miteinander verglichen werden“, sagt Krüger. Zulassungsbehörden bräuchten aber häufig auch einen Vergleich bei dem kein Vergleichsmedikament gegen wird und mit der bereits etablierten Standardbehandlung verglichen wird. „Datenbankstudien, die an verwandten Ergebnissen einer klassischen klinischen Studie gemessen sind, können diese Lücke schließen, ohne tatsächlich Probandinnen und Probanden eine möglicherweise vorteilhafte Therapie mit modernen Medikamenten wie GLP1-Agonisten vorzuenthalten.“ Indem die Studie einen Vergleich mit der Standard-Diabetes-Behandlung ermöglicht, hofft Krüger, eine weitere Entscheidungshilfe für Betroffene und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu schaffen.
Weitere Informationen:
• Diese Meldung auf tum.de: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/adipositas-medikament-senkt-risiko-fuer-gefaehrliche-herz-kreislauf-erkrankungen-und-infektionen-deutlich
Originalpublikation:
N. Krüger, S. Schneeweiss, S. Wang. „Tirzepatide and the risk of atherosclerotic cardiovascular events: population based cohort study“. The BMJ (2026). DOI: https://doi.org/10.1136/bmj-2026-100011