Das GesundheitsPortal für innovative Arzneimittel, neue Therapien und neue Heilungschancen
Vom Korsett zur Hightech-Medizin: Beim DKOU blickt die Orthopädie zurück und in die Zukunft
Ein verschlissenes Hüftgelenk austauschen und einem Menschen damit Beweglichkeit und Selbstständigkeit zurückgeben: Die Hüftendoprothese steht wie kaum eine andere Errungenschaft für den Fortschritt der modernen Orthopädie. Was vor 125 Jahren kaum vorstellbar war, gehört heute zum medizinischen Alltag. Doch was kommt als Nächstes? Robotik, Künstliche Intelligenz, immer individuellere Therapien? Beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 20. bis zum 23. Oktober 2026 in Berlin trifft sich die Fachwelt, um genau darüber zu diskutieren.
Anlass für den Blick zurück und nach vorn ist ein besonderes Jubiläum: Vor 125 Jahren wurde in Berlin die heutige Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) gegründet. „Die Orthopädie von heute ist mit der von 1901 kaum noch vergleichbar – ihr Auftrag aber schon: Menschen beweglich zu halten“, sagt DGOOC-Präsident Dr. Jörn Dohle. Die Jubiläumssitzung „125 Jahre DGOOC – Woher wir kommen, wo wir stehen, wohin wir gehen“ findet am 22. Oktober 2026 ab 12.00 Uhr im Festsaal der Messe Süd statt.
In den Anfängen der Orthopädie waren die Möglichkeiten noch ganz andere: Weil Operationen und Narkosen mit erheblichen Risiken verbunden waren, wurde vor allem von außen behandelt. Korsetts, Schienen und andere orthopädische Apparate sollten den Körper stützen, Fehlstellungen korrigieren oder ihre Verschlechterung verhindern. Rehabilitation und physikalische Therapie gehörten ebenfalls zu den tragenden Säulen des jungen Faches. Erst mit den Fortschritten der Anästhesie und der operativen Medizin erweiterten sich die Möglichkeiten grundlegend.
Eine Entwicklung steht beispielhaft für diesen Wandel: die des künstlichen Gelenkersatzes. Sie gehört zu den großen Erfolgsgeschichten der Orthopädie. Auch deutsche Orthopäden haben sie über Jahrzehnte mitgeprägt: Der DGOOC-Zeitstrahl dokumentiert unter anderem frühe Arbeiten zu Endoprothesen, Biomechanik, Keramik und neuen Implantatkonzepten, darunter auch die Elfenbeinprothese des Berliner Chirurgen und Endoprothetik-Pioniers Themistocles Gluck aus dem Jahr 1890. Später rückte neben dem medizinischen Fortschritt zunehmend die Qualität in den Fokus: 2012 wurden beim DKOU die ersten EndoCert-Zertifikate vergeben. Das von der DGOOC mitentwickelte weltweit erste Zertifizierungssystem für die Endoprothetik setzt bis heute Maßstäbe für die Qualität beim künstlichen Gelenkersatz. 2013 begann die Datenerfassung im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) der DGOOC. Seit 2025 müssen Eingriffe mit Hüft- und Knieendoprothesen zudem verpflichtend an das staatliche Implantateregister Deutschland (IRD) gemeldet werden. „Allein 2024 wurden im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) rund 199.000 erstmalige Implantationen eines künstlichen Hüftgelenks dokumentiert, mehr als 500 pro Tag“, sagt Prof. Dr. Georgi Wassilew, DGOOC-Vizepräsident.
Der Gelenkersatz ist dabei nur ein Beispiel für die enorme Entwicklung des Faches. Heute reicht das Spektrum von konservativen und gelenkerhaltenden Behandlungsstrategien bis zu hochspezialisierten operativen Verfahren an Wirbelsäule, Hand, Schulter, Hüfte, Knie, Fuß und Sprunggelenk. So unterschiedlich die Methoden sind, das Ziel ist dasselbe: „Orthopädie bedeutet für mich, Menschen ein Leben lang Bewegung zu ermöglichen und ihnen Lebensqualität zu geben“, sagt Prof. Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOOC. Gerade in einer alternden Gesellschaft gewinnt dieses Ziel an Bedeutung. Mobilität heißt dabei nicht nur Sport, Reisen oder Fahrradfahren. Sie entscheidet darüber, ob Menschen selbstständig aufstehen, einkaufen und sich zu Hause versorgen können. Prävention, konservative Therapie und operative Verfahren tragen gemeinsam dazu bei.
Wie rasant sich das Fach weiterentwickelt, zeigt der Blick auf die Medizin von heute. Digitalisierung, Robotik und KI ermöglichen eine genauere Planung, präzisere Operationen und stärker individualisierte Behandlungen. Doch Kladny warnt vor Technikbegeisterung um ihrer selbst willen: „Technik bleibt ein Werkzeug. Sie kann uns unterstützen, aber sie ersetzt weder Erfahrung noch ärztliches Urteilsvermögen.“
Genau hier setzt die Jubiläumssitzung beim DKOU an. Unter dem Titel „Woher wir kommen, wo wir stehen, wohin wir gehen“ treffen verschiedene Generationen und Perspektiven des Faches aufeinander: Wie wurde aus orthopädischem Handwerk Hochtechnologie? Welche Zukunft hat die konservative Orthopädie? Wie sieht die Orthopädie 2035 aus – und was erwartet uns 2050? Zum Abschluss steht die vielleicht wichtigste Frage: Was müssen wir bewahren, was müssen wir verändern?
Damit schließt sich in Berlin ein Kreis: 1901 wurde hier die Fachgesellschaft gegründet. 125 Jahre später kommt die Fachwelt beim DKOU erneut in Berlin zusammen. Nicht nur, um die Errungenschaften der Vergangenheit zu feiern, sondern um über die Medizin der Zukunft zu sprechen.
Referenzen:
1) Mitteilungen und Nachrichten in Orthopädie und Unfallchirurgie, 4-2026:
– Rückblick und Ausblick – 125 Jahre DGOOC
– Geschichte, Wandel und Meilensteine der Orthopädie „Gemeinsam erreicht man mehr
als allein“
– 1901 – 2026: 125 Jahre Deutsche Orthopädie
2) Mitteilungen und Nachrichten in Orthopädie und Unfallchirurgie, 5-2026:
– 125 Jahre DGOOC: Vielfalt braucht Zusammenhalt
– 125 Jahre DGOOC: Orthopädie muss in Bewegung bleiben „Was braucht die Orthopädie der
Zukunft, Herr Professor Kladny?“
Veranstaltungshinweis:
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie vom 20. bis zum 23. Oktober 2026
DGOOC | 125 Jahre (Session ID AV57)
Festsaal (On Demand), Messe Süd, Berlin
Donnerstag, 22 Okt., 12:00 – 13:00 Uhr
https://pag.virtual-meeting.org/INTERCONGRESS/dkou26/de-DE/pag/session/118811
Akkreditierung: Für die Presseakkreditierung zum DKOU senden Sie bitte eine E-Mail mit entsprechendem Nachweis an: presse@dgou.de